Es hat nicht sollen sein | Foto: Tom Bloch | www.tombloch.de)

Allianz MTV Stuttgart hat auch das dritte Spiel der Finalserie gegen den SSC Palmberg Schwerin verloren. In der Stuttgarter SCHARRena unterlag das Team von Trainer Giannis Athanasopoulos dem alten und neuen Deutschen Meister mit 1:3 (22:25 18:25 25:16 18:25). Nach den Niederlagen in den ersten beiden Spielen, bei denen beide Mannschaften spielerisch über weitere Strecken auf Augenhöhe agierten, hatte Sportdirektorin Kim Renkema vor diesem Match einen unbändigen Siegeswillen und Killerinstinkt von ihrer Mannschaft gefordert. Dies konnten die Spielerinnen aber nur in einem Satz auf dem Feld umsetzen.

Die Zuschauer in der rappelvollen SCHARRena bewiesen einmal mehr, dass sie auf jeden Fall einen Titel verdient hätten. Schon beim Einlauf der Spielerinnen köchelte die Stimmung am Siedepunkt. Wieder konnte Stuttgart nicht in Bestbesetzung auflaufen. Ausgerechnet zum Saisonfinale hatte das Team das Verletzungspech ereilt. In der gesamten Finalserie erwischte es Außenangreiferin Nika Daalderop. Bitter für Stuttgart, denn gerade die Niederländerin hätte mit ihrem druckvollen Offensivspiel für mehr Variabilität auf der Position sorgen können. Wieder von Anfang an dabei war Libera Teodora Pušić, die in Schwerin nur zu einem Kurzeinsatz kam. Zwar wurde sie in den letzten Spielen von der jungen Annie Cesar eindrucksvoll vertreten, ihre Erfahrung und Nervenstärke aber half, die Annahme zu stabilisieren.

Beide Mannschaften starteten gut in die Partie. Von Nervosität vor einem drohenden Saisonende oder der Titelentscheidung war nichts zu spüren. Dennoch waren viele Aktionen in der frühen Spielphase von Vorsicht geprägt. Fehler wollte sich keines der beiden Teams erlauben. Die Führung wechselte zunächst munter hin und her, Schwerin konnte sich bis zur ersten technischen Auszeit dennoch einen Drei Punkte Vorsprung erarbeiten. In der Folge trauten sich beide Mannschaften dann mehr. Zunächst erhöhte Renáta Sándor das Risiko bei der Angabe und brachte ihre Mannschaft wieder heran. Bei ihrem starken Aufschlag verschätze sich Greta Szakmáry und ließ den Ball passieren, der sich direkt hinter ihr im Eck des Felds senkte. Das gleiche Spiel gab es danach erneut bei Aufschlägen von Paige Tapp und Deborah van Daelen. Stuttgart lag in der Statistik zumindest nach Assen klar in Front. Schwerins Angreiferinnen fehlte in dieser Phase die Präzision und so gingen einige Punkte nach Angriffsfehlern auf das Konto von Allianz MTV. Das Stuttgarter Offensivspiel lief im ersten Satz immer wieder über die Diagonalposition. Acht von zwölf Angriffspunkten erzielten die starke Kapitänin Deborah van Daelen und ihre Kollegin Nikoleta Perović. Der Lohn war eine 16:14 Führung zur zweiten technischen Auszeit. Mit einem Netzroller brachte Lauren Barfield die Mecklenburgerinnen danach auf 18:18 wieder heran und Greta Szakmáry holte mit einem Lob ins zentrale Feld die Führung zurück. Giannis Athanasopoulos nahm seine erste Auszeit und richtete die Mannschaft mit einem Doppelwechsel noch einmal offensiver aus, doch Schwerin fand jetzt immer häufiger Lücken im Stuttgarter Block und gewann letztendlich den ersten Satz mit 25:22. Die Stuttgarterinnen konnten den Druck, den sie bis in die Satzmitte ausübten, in der Crunch Time nicht mehr aufrechterhalten und standen wieder einmal mit leeren Händen da.

Im zweiten Satz schickte der Stuttgarter Coach Micheli Tomazela für Paige Tapp, die mit dem Schweriner Block einige Mühe hatte, auf das Feld. Die fügte sich gut ein und punktete sofort im ersten Tempo. Sein Team leistete sich aber dennoch einen Fehlstart und lag früh mit 1:4 hinten. Nach einem verhaltenen ersten Satz griffen dann auch Michaela Mlejnková und Molly McCage offensiv ein und glichen mit ihren Punkten wieder aus. Da Stuttgart versäumte Denise Hanke ausreichend zu blocken, ging es mit einem 6:8 in die erste Auszeit. Danach konnte sich der SSC Palmberg Schwerin weiter absetzen. Dafür sorgte vor allem eine immer stärker werdende Louisa Lippmann mit mehreren diagonal geschlagenen Bällen. Immer wieder stand ihr aber auch nur ein Einer-Block gegenüber und so war sie kaum zu stoppen. Für Stuttgart kam Julia Schaefer für Renáta Sándor ins Spiel und auch auf der Zuspielposition wechselte Giannis Athanasopoulos und brachte wie schon im Spiel in Schwerin Pia Kästner. Trotzdem verlor sein Team die Kontrolle in dem Satz und Schwerin zog mit sieben Zählern Vorsprung davon. Eine kleine Break Serie von Deborah van Daelen und fünf Punkte am Stück brachten Stuttgart zwischenzeitlich wieder näher heran. Es lief wieder bei ihrem Team, auch die Körpersprache stimmte. Nach einem starken Angriff aus dem Hinterfeld schrie Julia Schaefer ihre Emotionen heraus. Felix Koslowski griff nun auch zur Auszeit und wechselte Jelena Oluic für Greta Szakmáry ein. Er hatte aber auch eine Louisa Lippmann und die machte in diesem Satz einmal mehr den Unterschied aus. Allein elf Punkte gingen im zweiten Satz auf ihr Konto. Besonders bitter war dabei Schwerins 20. Punkt, bei dem sie den Ball lässig über den Stuttgarter Block ins leere Feld pritschte. Wieder einmal war bei Allianz MTV Stuttgart zum Satzende die Luft raus, der Zwischenspurt verpuffte und am Ende ging der Satz deutlich mit 18:25 verloren.

Damit standen Teodora Pušić & Co. im dritten Satz nun endgültig mit dem Rücken zur Wand und alles sprach jetzt für einen schnellen Schweriner Erfolg. Man muss den Mädels Respekt zollen, dass sie nach dem verkorksten zweiten Satz aufspielten als sei nichts gewesen. Wieder mit Paige Tapp und Nikoleta Perović auf Diagonal erwischte Stuttgart mal wieder einen ausgezeichneten Start in den Satz. Pia Kästner blieb als Zuspielerin auf dem Feld in machte ihre Sache hervorragend, inkl. Zuspieltrick zum 7:4. Der Vorsprung konnte zur Satzmitte auf sieben Punkte ausgebaut werden. Auf einmal war er da, der von Kim Renkema geforderte Kampfgeist. Die SCHARRena bebte jetzt, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Trotz einiger Wackler in der Annahme und einer kurzen Break Serie von Schwerins zweiter Zuspielerin Kaisa Alanko, überrollten die Schwäbinnen ihren Gegner zum Satzende förmlich. Neun Satzbälle spielte sich die Mannschaft heraus und konnte den dritten Satz letztendlich souverän mit 25:16 für sich entscheiden.

War das die Wende? Um es vorwegzunehmen – so war es leider nicht. Im vierten Satz dominierten wieder die Gäste aus dem Norden, obwohl die Stuttgarterinnen ähnlich gut starteten wie im dritten Durchgang und noch mit 8:6 in die erste technische Auszeit gingen. Beim Stand von 9:9 kämpften Michaela Mlejnková und Julia Schaefer um jeden Ball. Sie retteten einarmig und brachten den Ball sensationell wieder ins Feld zurück aber Denise Hanke nutzte eiskalt die entstandene Lücke im Hinterfeld und brachte ihr Team wieder in Führung. Kurz danach zog Schwerin nach einer langen Break Serie von ihr mit 12:17 davon. So deutlich bleibt es bis zum Schluss. Nach 1 Stunde und 39 Minuten beendete ein Aufschlagfehler von Pia Kästner zum 18:25 den Satz und die Partie.

Für Stuttgart endete damit zum vierten Mal in Folge der Anlauf auf die Deutsche Meisterschaft mit der ungeliebten Silbermedaille. Auch wenn die Spielerinnen nach dem Match untröstlich waren, bei den Zuschauern überwog die Anerkennung einer fantastischen Saisonleistung. Ein Übergangsjahr sollte es nach dem großen Umbruch im letzten Sommer werden und dennoch schloss man die Liga als Tabellenführer ab und war dem Titel wieder einmal so nah. Die 2156 Zuschauer feierten ihre Mannschaft dafür nach dem Match mit Standing Ovations.

Ein Glückwunsch geht an den Meister aus Schwerin, der über die drei Finalspiele die konstantere Leistung abgerufen hat.  „Schwerin hat gut gespielt und insgesamt weniger Fehler gemacht. Es ist bitter, aber es kann nur einen Sieger geben. Am Ende hat die bessere Mannschaft gewonnen.“ resümierte eine sichtlich enttäuschte Femke Stoltenborg nach dem Spiel.

Tränen des Abschieds gab es nach dem Spiel noch bei Michaela Mlejnková und ihren Fans. Nach drei Jahren verlässt die tschechische Nationalspielerin den Verein und wurde für die die erfolgreiche gemeinsame Zeit geehrt.

Die MVP Wahl der beiden Trainer fiel auf Molly McCage (Silber), die insgesamt 15 Punkte (davon 6 Blockpunkte) für ihr Team holte. Auf Schweriner Seite ging die Auszeichnung an Libera Luna Carocci (Gold).

 

Die Starting Six vom SSC Palmberg Schwerin: Hanke, Gerrties, Barfield, Lippmann, Szakmáry, Dumancic, Libera: Carocci

Die Starting Six von Allianz MTV Stuttgart: Stoltenborg, Mlejnková, Tapp, Van Daelen, Sándor, McCage, Libera: Pušić

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